Da sieht man, was Blasmusik sein kann

 

„Großes Kino“ bei den Musikfreunden / Von Hollywood bis in die Highlands / Erinnerungen an bekannte Fernsehmelodien


Das Licht geht aus, die Spannung steigt. Vorne hebt sich der sprichwörtliche Vorhang und das Filmintro von „20th Century“ dröhnt aus allen Rohren. Kinofeeling pur. Doch was auf der Leinwand gezeigt wird, ist nicht der übliche Schriftzug der Produktionsfirma, angestrahlt von vielen Scheinwerfern. Stattdessen ist zu lesen: „Musikfreunde Reilingen“. Und die Leinwand steht gar nicht im Mittelpunkt. Auf der Bühne in der Aula der Schillerschule geht es ganz um die Musik.
Ruhige Momente   
Die Musikfreunde Reilingen haben zu einem Abend der Filmmusik eingeladen – eine Reise quer durch die Filmgeschichte. Das Konzert beginnt ruhig. Es geht nach Jerusalem zu Beginn des ersten Jahrhunderts. Dort spielt sich die Geschichte von „Ben Hur“ ab, einem reichen jüdischen Prinzen und Händler, der einem Komplott zum Opfer fällt. Die Geschichte spitzt sich zu mit dem wohl berühmtesten Wagenrennen der Filmgeschichte. Eindrucks- und gefühlvoll spielt das Orchester die Melodien aus dem Monumentalfilm von 1959. Weiter geht es ins Schottland des 13. Jahrhunderts. Wer die Augen schließt, dem eröffnet sich die Welt des Films „Braveheart“. Ruhige Momente tragen den Zuhörer in die nebelumwobene, mystische Hügellandschaft. Dumpfe Trommelschläge und Fanfaren der Trompeten und Flügelhörner erinnern an die Kämpfe im Film.
Zwischen den einzelnen Stücken liefert Dominique Frank dem Publikum Informationen zur Filmhandlung, aber auch interessantes Hintergrundwissen über die Entstehung der Filmmusiken. In seinem großen Ohrensessel lauscht er wie alle anderen den Musikern. So auch der Musik aus „Schindlers Liste“. Der Film erzählt, wie Oskar Schindler im Zweiten Weltkrieg Juden in seinen Rüstungsbetrieben beschäftigte und damit vor dem Tod im Vernichtungslager Auschwitz rettete. Der 17-jährige Sebastian Fuchs interpretiert die ernsten Töne der Hauptmelodie wunderbar auf seiner Klarinette. Richtiges Nervenflattern hatte der Musiker übrigens nicht, wie er in der Pause verrät. Nach acht Jahren musizieren hat er dafür auch schon genug Erfahrung.
Weniger konzertant, aber nicht weniger gut, geht es weiter mit den verschiedensten Stücken. Der Komponist Henry Mancini schuf Zeit seines Lebens die Musik für stolze 184 Filme. Dies würdigt das Orchester mit einem swingartigen Arrangement. Es geht auch nach New York. Zu Fröschen, Schweinchen und lästernden, alten Leuten: den Muppets. So entlässt das Orchester den einen oder anderen Zuhörer mit der Melodie von „Mahna Mahna“ im Kopf in die Pause.
Es folgen Stücke, die in den Wilden Westen entführen, den Zuhörer in die Welt von Mary Poppins mitnehmen und zu heißen Rhythmen aus „Dirty Dancing“ beinahe mittanzen lassen. Doch es bleibt nicht nur amerikanisch. Dirigent Simon M. Metzger, der auch einige der Stücke selbst arrangiert hat, nimmt die Besucher mit auf eine Reise durch das Fernsehprogramm der ARD. Besonders schön: das Tenorsaxofon-Solo von Bernhard Heck in Whitney Houstons Hit „I will always love you“ aus „Bodyguard“.

„Das klingt wirklich gut“
„Wir sind sehr zufrieden mit dem Konzert“, freut sich Vorsitzender Harald Kehrer, der zu Beginn zunächst zusätzliche Stühle organisieren musste, um dem Besucherandrang gerecht zu werden. Beim Publikum kommt die Musik gut an. „Mir gefällt das Konzert sehr gut“, meint der 83-jährige Ottmar Bräuninger, der selbst zwölf Jahre mit seinem Tenorhorn bei den Musikfreunden musiziert hat. Noch heute bleibt er seinem Verein als Zuhörer treu und genießt dessen Musik: „Da möchte man eigentlich gerne wieder mitmachen“. Thomas Baumgardt zeigte sich positiv überrascht von der Qualität und Komplexität der Stücke. „Das klingt wirklich sehr, sehr gut. Vor allem ,Braveheart‘ hat mir gefallen.“ Es ist ein Abend der Blasmusik. Dennoch: „Die Auswahl ist keine klassische Blasmusik, einen richtigen Marsch oder eine Polka gibt es nicht, aber es ist eine sehr gute Auswahl an konzertanten Stücken“, bringt Jörg Wendolsky, selbst aktiver Blasmusiker in einem anderen Verein, das Konzert auf den Punkt. „Da sieht man mal, was Blasmusik alles sein kann.“


Quelle: Schwetzinger Zeitung

 
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